„Kirche und Leben“ berichtet über Palliative Care in der Tibus Residenz

Im Januar erschien in der Wochenzeitschrift „Kirche und Leben“  ein Artikel über die Arbeit von Dr. Anne Schütte.Verantwortliche der Diözese sind auf die engagierte Theologin im Rahmen eines Gesprächskreises, der in der Tibus Residenz stattfand, aufmerksam geworden.

Seelsorgerin für alle Lebenslagen

Anne Schütte begleitet die Bewohner der Tibus Residenz Münster in ihrem Alltag. Als Theologin möchte sie aber auch Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter des Hauses sein. In einem kleinen Zimmer hat sie einen Raum der Stille eingerichtet.   

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Viele verbinden Begriffe, die das Wort „palliativ“ enthalten, mit dem unausweichlichen Ende des Lebens, gleichgültig, ob es um Medizin oder Pflege geht. Nicht so Anne Schütte, promovierte Theologin, Seelsorgerin aus Leidenschaft und Spezialistin für Palliative Care. Dieses Konzept der ganzheitlichen Betreuung von Menschen ist der Mitarbeiterin der Tibus-Residenz in Münsters Innenstadt ans Herz gewachsen. Denn „das ist ein Angebot für alle, die es gerade brauchen“, erläutert Schütte.

Nähe schaffen

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Dr. Anne Schütte

Sie versteht sich als Begleiterin sowohl der Bewohner als auch der Mitarbeiter des Hauses. Nach Jahren der Tätigkeit in der Altenpflege und Hospizseelsorge wurde Anne Schütte Hospizbeauftragte für das Bistum Osnabrück und Dozentin für Palliative Altersheilkunde und Organisationsethik an Hochschulen und Akademien. Doch die Nähe zu den Senioren fehlte ihr, und so bewarb sie sich unter anderem bei der Tibus-Residenz. Dort arbeitet sie nun seit fast drei Jahren als Beauftragte für Palliative Care und hat schon viel bewirkt. Der englische Fachbegriff umfasst nicht nur die Versorgung alter und kranker Menschen im Sinn einer möglichst guten und würdevollen Gestaltung des Lebens nach den Wünschen der Betroffenen, sondern auch deren Begleitung und Beratung, Seel-Sorge im wörtlichen Sinn eben. Für Anne Schütte bedeutet das, sich umfassend auf die Bedürfnisse der Bewohner und Mitarbeiter der Tibus-Residenz einzulassen. Sie bietet Sprechstunden zur Abfassung von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten ebenso an wie Gesprächskreise, persönliche Gespräche und Trauerbegleitung ebenso wie ökumenische Gottesdienste. Einmal jährlich wird in einer Feier aller im Jahr verstorbenen Hausbewohner gedacht. Schütte gestaltet Einkehrtage und erarbeitet für die Mitarbeiter des Hauses interdisziplinäre Schulungen, die Themen wie Kommunikation und Ethik gewidmet sind. Immer wieder lädt sie Gäste als Mitgestalter ein. Eine gute Vernetzung ist dabei unverzichtbar, und die ist Schütte besonders wichtig. Sie steht in Kontakt mit den Pfarreien St. Lamberti und Heilig Kreuz, dem Benediktinerkloster Gerleve, mit Musiktherapeuten und Studierenden der Musikhochschule, die den Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen mitgestalten.

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Nicht nur, weil sie Theologin ist, bezieht sie die Kirche mit in ihre Aktivitäten ein. Das sei auch den Bewohnern der Residenz wichtig. Die Leitung der Tibus Residenz, die nicht in kirchlicher Trägerschaft ist, verhält sich in jeder Hinsicht entgegenkommend. Das schätzt Schütte sehr. Als Theologin fehlte Schütte natürlich eine Art Kapelle, ein Rückzugsraum für alle, die Ruhe suchen. Diesen Raum der Stille hat sie inzwischen durch die Umgestaltung eines kleinen Zimmers geschaffen. So ist eine Oase entstanden, zu der jeder Bewohner und Mitarbeiter Zutritt hat. Die beiden Fenster wurden von einer Bewohnerin mit buntem   Glas verkleidet, den Raum schmücken ein Arrangement aus Zweigen und Blüten, zwei Steintafeln mit besinnlichen Texten und zwei Sessel. Auf einem Tisch liegt aufgeschlagen die Bibel, in diesen Tagen in der Luther-Übersetzung.

Auf Augenhöhe

Zentrum des Raums ist das vom Osnabrücker Bildhauer Volker-Johannes Trieb gestaltete Kreuz, fast unscheinbar, das aber durch verschiedene Elemente menschliche Lebenslagen einfängt. „Das begleitet uns überall hin. Es wird zu den Gottesdiensten mitgenommen, aber auch zu den Gesprächskreisen und Einkehrtagen“

Schütte hat immer was zu tun, weil der Bedarf an Gesprächen und Zuwendung groß ist und immer noch größer wird. Jeden dort abzuholen, wo er steht, und dorthin zu begleiten, wo es ihm gut geht, allen auf Augenhöhe zu begegnen und jedem ein würdevolles Leben zu ermöglichen, ist ihr Definition einer palliativen Haltung. „Ich biete so viel Hilfe an, wie nötig ist. Das ist ein dynamischer Prozess“, führt sie weiter aus. Sie ist überzeugt: „Auf die Haltung kommt es an.“

 

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