Gedächtnistraining für Senioren: Teil 20

Lieber Senior, liebe Seniorin,

immer noch Gel im Kopf von der letzten Woche? Dann wird es Zeit für etwas Neues! In Blog 6 haben wir uns bereits kurz unsere drei Arten von Gedächtnis angeschaut:
– das Kurzzeitgedächtnis
– das Arbeitsgedächtnis
– das Langzeitgedächtnis.

Ergänzend möchte ich Ihnen heute die drei verschiedenen Sorten von „Ware“ vorstellen, die unser Gehirn aufnehmen kann. Zusammengefasst sprechen Neurologen von

  • deklarativem
  • prozeduralem
  • und episodischem Wissen.

Deklarativ bedeutet: Ich kann mein Wissen aufzählen,, z.B. Fakten wie Einmaleins, Hauptstädte, Namen, Gedichte, Geschichtszahlen…
Das prozedurale Wissen meint automatisierte Fähigkeiten, wie z.B. Fahrradfahren, Klavierspielen, sich im dunklen Raum zurechtfinden …
Episodisches Wissen sind Erlebnisse des Lebens, die mit großen Gefühlen verbunden sind: Hochzeiten, erster Schultag, ein Unfall…

Was wir meistens unter Schwierigkeiten im Gehirn suchen sind Fakten aus dem enorm großen Bereich des deklarativen Wissens. Genau das ist ja oft unser Problem: Die Informationen lagern irgendwo, aber wie kann ich sie wiederfinden? Stellen Sie sich eine riesige Lagerhalle mit hunderten von großen Abteilungen vor und einen kleinen Azubi, der dort ein Paket mit Schräubchen namens xzP23 suchen soll. Hoffnungslos. So sind wir auch oft auf der Suche nach kleinen oder großen Informationen. Es sei denn – und das ist das einzige, was hilft – es gibt von Anfang an irgendwelche Ordnungshilfen: Assoziationen, Anknüpfungspunkte. Diese müssen gleich beim Lernen oder später beim Überlernen mit eingebaut werden. Genau wie in der echten Lagerhalle: nummerierte Hallen, mit Buchstaben versehene Gänge, Regale mit Oberbegriffen, Kisten mit Einzelheiten…

j2272x1704-09257Hier eine Übung für Sie. Sie wird in 2 Durchgängen angeboten. Achten Sie bitte jeweils dabei auf Ihre Gefühle – Lust, Unlust?
Fällt Ihnen die Aufgabe leicht, schwer? Ist sie vielleicht gar nicht zu bewältigen? (Falls ja, hier ein Tipp: Keine Sorgen machen!)
Sitzen Sie bequem? Ist Ruhe im Raum oder lenkt Sie etwas ab?
Fühlen Sie sich wohl, ausgeruht, schmerzfrei?

Die Aufgabe ist:
Legen Sie Stift und Zettel bereit für Ihre Kontrolle. Lernen Sie nun die folgenden 20 Wörter auswendig. Sie haben dafür 5 Minuten Zeit, also brauchen Sie eine Uhr. Nach dem Lernen schreiben Sie bitte so viele Wörter auf Ihren Zettel, wie Sie noch wissen. Bitte nicht mogeln – Sie haben nichts davon.

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Hier nun die Wörter:

Claudia Drehstuhl Anrichte Dahlie Chamäleon
Droschke Affe Dieter Birke Anna
Christrose Ben Bär Couch Bus
Dachs Bett Ahorn Citroen Auto

 

 

Wie war das für Sie? Alle Wörter auf dem Schirm? Oder doch schwer zu lernen? Ich hoffe es, weil der Rest dieser Übung für Sie dann nicht mehr so recht passt! Zunächst: Zeitvorgaben sind Druckmittel, sie machen unsicher und unkonzentriert! Und Druck führt immer zu Stress im Gehirn, nichts geht mehr. Daher haben Sie für den 2. Durchgang alle Zeit der Welt.
Bitte lernen Sie nun die 20 Begriffe aus Kasten 2 auswendig. Gucken Sie genau hin. Es sind dieselben Wörter, aber in anderer Reihenfolge. Notieren Sie anschließend wieder alles, was Sie behalten haben.

Auto
Bus
Citroen
Droschke
Anrichte
Bett
Couch
Drehstuhl
Affe
Bär
Chamäleon
Dachs
Ahorn
Birke
Christrose
Dahlie
Anna

Ben
Claudia
Dieter

Haben Sie einen Unterschied im Ergebnis? Waren Sie diesmal besser? Konnten Sie vielleicht sogar die korrekte Reihenfolge wiedergeben?
Sie haben sicher bemerkt, dass die unterschiedliche Anordnung ein System hatte, eine Struktur. Die Leser, denen die Sortierung nach Fahrzeugen, Möbelstücken, Tieren, Pflanzen und Vornamen beim zweiten Durchgang aufgefallen ist, hatten es jetzt leichter. Wer dann noch entdeckt hat, dass die Wörter in jeder Kategorie mit A, B, C und D beginnen, hatte es besonders leicht, diese zwanzig Wörter auch noch in der richtigen Anordnung wiederzugeben.

Es ist also keine Sache der Intelligenz, was hier sichtbar wird, sondern eine Sache der hirngerechten Lernvorbereitung.

Eine schöne Woche Ihnen!
Corinna Reinke, Autorin des Buches „Frühling im Kopf“
http://senioren-muenster.de/woher-kommt-die-frische-briese/

 

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