Die unauffällige Schöne

Kirche für SeniorenP1110111 

Oft übersehen, die kleine, bescheidene Servatiikirche
Besucher Münsters, die zum ersten Mal diese Stadt kennen lernen, vielleicht nie von ihr gehört haben, sind überwältigt von ihrer Geschichtsträchtigkeit. Nach Dom und Prinzipalmarkt, nach den beiden barocken Schätzen von Johann Conrad Schlaun: Erbdrostenhof in der Salzstraße und Clemenskirche in Sichtweite, werden wohl viele Besucher die kleine Servatiikirche gar nicht wahrnehmen. Sie versteckt sich hinter Bäumen. Wer aber an der Rückwand des Erbdrostenhofes weiter geht, erlebt eine Überraschung. Nach wenigen Schritten senkt sich der Boden rechts der Straße. In dieser Vertiefung steht die Kirche. Schon nach dem Öffnen der Tür, zu der man einige Stufen hinabsteigen muss, wird man von einer schönen, spätromanischen Hallenkirche mit farbigen Fenstern umfangen und spürt sofort eine Atmosphäre von Ruhe und Frieden, die nach der Hektik der quirligen Salzstraße willkommen ist. Verlässt man die Vertiefung, in der die Kirche steht und begibt sich auf das heutige Straßenniveau erkennt, man ihre baulich schlichte Schönheit. Die Vertiefung hatte sich entwickelt, weil die Toten lange nahe der Kirche begraben wurden, wodurch sich das Straßenniveau erhöhte. Es wurde später wieder reguliert. Umrundet man nun den Bau, entdeckt man sowohl romanische wie auch gotische Stilelemente. Diese Art des Bauens nennt der Fachmann den „Westfälischen Übergangsstil“.

Die kleine schlichte Kirche hat viel durchmachen müssen
Im 13. Jahrhundert wurde das Stadtgebiet Münsters erweitert. Dazu gehörte auch die Planung und Ausführung neuer Kirchen wie auch die des Heiligen Servatius. Ihr Namensgeber ist der Heilige Servatius, Bischof von Tondern, gestorben um 450. Schon im Jahr 1200 soll sie an der heutigen Stelle als Holzkapelle erbaut worden sein und einen Brand überstanden haben. Später ersetze man den Holzbau zugunsten einer Steinkirche. Im 15. Jahrhundert erweiterte man sie dann mit einem fünfseitigen gotischen Chor .

Die folgenden Jahrhunderte brachten der Stadt viel Leid. Unter der Herrschaft der Wiedertäufer wurde ein großer Teil verwüstet. Erst 1537 konnte man auch die Kirche wieder aufbauen. Danach hatte man Mühe, sie zu sichern. Man versuchte, die instabilen Außenmauern durch Strebepfeiler zu stützen, wodurch aber vorhandene Pfeiler und Säulen verdeckt wurden. In der ersten Hälfte des Jahres 1932 wurden sie entfernt und die Kirche erneuert. Am 28.10.1933 konnte sie als erste bischöfliche Amtshandlung durch Clemens August Graf von Galen in einem Pontifikalamt erneut für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der verheerende Bombenabwurf auf Münster im Oktober 1943 zerstörte auch die Kirche völlig. Viele Teile verbrannten. Das Älteste, das gerettet werden konnte, war der Flügelaltar aus der Zeit um 1500. Die letzte Amtshandlung des damaligen Prälaten war das Anzünden einer Kerze als ewiges Licht auf den Trümmern. Danach beteten die Anwesenden das Tantum ergo. Sankt Servatius existierte nicht mehr.

Neues Leben
Zunächst errichtete man im Jahr 1947 den Chor der Kirche, so dass der erste Gottesdienst gefeiert werden konnte. Aber erst 1952 wurde sie am Christkönigsfest wiedereröffnet.P1110118

Die Servatii-Kirche, auch Anbetungskirche genannt, ist täglich von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet. Sie bietet den Gläubigen täglich die Möglichkeit der eucharistischen Anbetung, da das heilige Sakrament immer aufgestellt ist. Viele Menschen nehmen das Angebot gerne an.
Margit Schunck, Bewohnerin der Tibus Residenz

 

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