Gedächtnistraining für Senioren:Teil 24 – Auswendig lernen

Liebe Seniorin, lieber Senior,
jetzt ist der Frühling im Kommen, wir sehen, hören, riechen und fühlen es alle! Daher ist er auch heute mein Thema. Ich möchte Sie anregen, mal wieder ein kleines Gedicht auswendig zu lernen. Wie man das macht? Mit einer Technik, die ich Ihnen hier zeigen werde. Wie so oft beim Gedächtnistraining geht es um Assoziationen. Dadurch wird vieles einfacher.Haben Sie Zeit? Haben Sie Lust dazu? Das sind erst einmal die wichtigsten Voraussetzungen für einen Erfolg. Wir üben jetzt mal mit einem kurzen Text von Mörike, den Sie natürlich alle kennen und sicher auch viele von Ihnen auswendig können. Letztere nehmen sich einfach ein anderes Gedicht und probieren diese neue Technik aus.

Mörikes „Er ist`s“ von 1928:

Frühling lässt sein blaues Banimg_8105
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!

  1. Lesen Sie das Gedicht 3-6 mal laut. Achten Sie auf den Reim – der hilft ja sehr beim Auswendiglernen. Das Schema für den Reim heißt hier ABBA BACDCED. Jeder neue Buchstabe bedeutet: ein neuer Reim.

Man sieht, dass hier der Reim E (Frühling, ja du bist`s!) ganz allein steht, er hat gar keinen Partner. Das unterstreicht seine Wichtigkeit. Es drückt Freude, Verblüffung und durch die persönliche Ansprache eine gewisse Verbrüderung aus. Schön, dass du da bist, komm doch rein und setz dich!

  1. Versuchen Sie beim Lesen jedes Mal, wenn es etwas zu sehen, hören, riechen oder fühlen gibt, einen Sinn mehr einzubauen: Sehen und hören Sie z.B. das blaue Band, wie es flattert! Malen Sie sich den Inhalt des Gedichtes Zeile für Zeile in Ihren Kopf, bis der Inhalt keine Rätsel oder Fragen mehr aufwirft.
  2. Machen Sie sich nun eine Liste mit dem Anfangs- und Endwort jeder Zeile:
    Frühling…..Band
    Wieder…..Lüfte usw.
    Versuchen Sie jetzt mal, das Gedicht zusammenzubekommen, indem Sie die notierten Wörter anschauen. Meistens geht das schon ganz gut. So bekommen Sie die Zeilen in sich in Ihren Kopf.
  3. Der nächste Schritt heißt dann: Die Zeilen an der richtigen Stelle des Gedichtes nennen, also die Reihenfolge der Verse und deren Anfang. Da hapert es sicher noch.

Hier hilft die Routentechnik, die Körperliste 1-10. Sie kennen sie schon, aber zur Erinnerung wird das Männchen noch einmal abgebildet. Diese Route können Sie immer wieder gebrauchen: image099Für Erledigungen, für die Reihenfolge der Bundespräsidenten, für die 7 Weltwunder…

1.Fuß 2. Knie 3. Oberschenkel 4. Popo 5. Bauch 6. Brust 7.Schulter 8. Hals 9. Gesicht 10. Haare

Nun müssen Sie ein wenig arbeiten. Sie verknüpfen jetzt nämlich die Zeilenanfänge mit Ihren Körperteilen. Dabei sind Ihre eigenen, möglichst „merk“würdigen Ideen gesucht, die merkt sich dann auch das Gehirn!
Beispiel von mir:
Fuß – Frühling: beide beginnen mit F; ich sehe zwischen den Zehen Knospen und Blätter wachsen und Gras sprießen.
Knie – wieder: ich schlage die Knie zusammen, wieder und wieder, dabei versuche ich das Flatterband festzuhalten.
Oberschenkel – süße: ich beschmiere die Oberschenkel mit süßem Honig, welche Düfte!
Popo – streifen: Ich mache aus dem Verb ein Nomen und sehe bunte Streifen auf meinem Hinterteil.
Bauch – Veilchen: Aus dem Nabel wachsen kleine blaue Blümchen, sie haben ein verträumtes zartes Gesichtchen und wiegen sich hin und her.
Brust – wollen: Ich stelle mir eine Brust voller Wolle vor, Knäuel neben Knäuel, fühlen sich kratzig an.
Schulter – Horch! Auf der Schulter steht eine Harfe und der Wind spielt mit ihr, horch!
Hals – Frühling: Ich schreie, bis ich heiser bin: Frühling, Frühling, Frühling…
Gesicht – dich: Dicht an mein Gesicht kommt der Frühling, ganz dicht. Ich rieche ihn, ich fühle seine Wärme, seinen Atem…

Sie halten das Ganze für verrückt? Macht nichts – ich garantiere, dass Sie auf diese Weise sehr viel lernen können! Unser Gehirn liebt verrückte Gedanken – alles, was nicht dem normalen Alltagstun entspricht, ist wie eine Droge. Das Gehirn will mehr davon!

Eine schöne Woche Ihnen!
Corinna Reinke, Autorin des Buches „Frühling im Kopf“
http://senioren-muenster.de/woher-kommt-die-frische-briese/

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