Gedächtnistraining für Senioren: Teil 5 – Lächeln Sie!

Liebe Seniorin, lieber Senior,

sind Sie mal ein Stückchen rückwärts gegangen? Oder haben Ihre Zähne mit der „falschen“ Hand geputzt?Vielleicht haben Sie ja auch mal etwas ganz Neues ausprobiert. Jonglierbälle gekauft oder eine DVD mit Tanzmusik? Ganz egal, Hauptsache Sie haben ein paar Gewohnheiten verändert. Schon einen Stuhl in eine andere Ecke räumen bringt Erfrischung!

Genauso wichtig ist das Lächeln

Sie kennen vielleicht die Zahlen, die im Umkreis von Lebenshilferatgebern kreisen: So und soviel Muskeln gebraucht der Mensch zum Lächeln, so und soviel (mehr!) zum Grimmigdreinschauen. Also soll man lächeln, das spare dann auch noch Energie. Alles Unsinn. Die Zahlen stimmen nicht, sie sind aus der Luft gegriffen und sehr unterschiedlich. Verlässlich kann man sagen, dass mindestens zwei Muskeln sowohl an der positiven wie an der negativen Mimik beteiligt sind – in der linken wie auch in der rechten Gesichtshälfte. Aber darum geht es mir nicht. Sondern:Übungen für Senioren in Münster

Wenn der Mensch lächelt, verändert sich seine Laune und seine Einstellung zu sich selbst. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Eine neue, noch junge Forschungsrichtung etwa seit 1988 macht faszinierende Entdeckungen. Sie nennt sich Embodiment[1] und untersucht die Gründe für folgendes Phänomene:

  • Ein Bleistift im Mund macht fröhlich.
  • Das Stehen auf einem Podest macht milde.
  • Bitterer Geschmack im Mund führt zu strengerer Einschätzung anderer.
  • Jemand mit einer warmen Tasse in der Hand ist freundlicher.
  • Menschen, die auf einer Rolltreppe nach oben fahren, sind spendabler und zeigen mehr Mitgefühl als andere.
  • Menschen, die beim Fernsehen etwas essen, behalten die Produktnamen der Werbung schlechter.
  • Frauen mit von Botox gelähmten Stirnfalten konnten im Gespräch nicht mehr gut emotionale Untertöne erfassen.

Ist das nicht erstaunlich? Mimik und Körperhaltung beeinflussen unsere Stimmungen und unser Verhalten. Wie kommt das? Erste Vermutungen lassen darauf schließen, dass es mit der Begriffsbildung in der Kindheit zu tun hat. Das Kind sieht einen Gegenstand, fasst ihn an, erkundet ihn wenn möglich mit den Lippen – und so bildet sich ein Wort immer zusammen mit einer körperlichen Handlung. Das sitzt dann tief in unserem Gehirn. Wenn wir z.B. an eine Tasse denken, aktiviert das im Gehirn den Bereich Sprachschatz und gleichzeitig den Bereich Bewegen, Greifen. Beides ist also untrennbar miteinander verknüpft.

Und wie ist es mit abstrakten Wörtern wie Mut, Liebe, Chance…? Hier tut sich für die Forschung ein weites Feld auf. Was bedeutet das nun für uns? Ganz egoistisch gedacht: Lächeln Sie für sich! Am besten schon morgens bei dem Blick in den Spiegel. Sie finden eher das Gegenteil angebracht? Tun Sie es nicht. Denn Sie wissen ja jetzt: Das Lächeln beeinflusst Ihre Laune, Ihre ganz persönliche Einstellung zu sich selbst. Falls Sie es aber eigenartig finden, ständig vor sich hin zu lächeln – stecken Sie sich einen Bleistift zwischen die Zähne und erledigen Sie Ihr Tagewerk. Sieht ja keiner!

Haben Sie Lust auf eine kleine Bewegungsübung, die Sie mit Sicherheit zum Lächeln bringt?

Sie brauchen einen Partner. Los geht`s!

– Sie stehen sich gegenüber und sagen abwechselnd nur die einzelnen Zahlen: 1, 2, 3.

Stellen Sie sich das nicht so einfach vor wie es klingt! Bitte wiederholen Sie die Zahlen nun mindestens fünf- oder sechsmal.

– Sobald das glatt läuft, ersetzen Sie die Zahl 3 durch Händeklatschen – 1, 2, Klatsch.

– Als dritten Durchgang bietet sich Stampf, 2, Klatsch an.

– Und wenn Sie noch Lust haben, schlage ich Stampf, Schnips, Klatsch vor.

Geben Sie zu, Sie mussten beide lachen! Eine gute Woche!

Corinna Reinke, Autorin des Buches „Frühling im Kopf“
http://senioren-muenster.de/woher-kommt-die-frische-briese/

1: vgl. Christine Arnheim, 2011: Wie körperliches Empfinden die Gefühle beeinflussen , Welt N24

[1]

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