Starke Pflege – Starke Typen

Domfreunde Münster zu Gast in der Tibus Residenz
Und wieder einmal war der Veranstaltungssaal der Residenz gefüllt mit Gästen von außerhalb der Residenz sowie Bewohnerinnen und Bewohnern. Die „Domfreunde Münster e.V.“ hatten zu einer Benefiz-Veranstaltung eingeladen, um Spenden für die Palliativstation des Herz-Jesu-Krankenhauses Hiltrup zu sammeln und um auf das Projekt „Starke Pflege, starke Typen“ der „Starken Pflege Münster“ aufmerksam zu machen. Damit wollen sie das Image der Altenpflege verbessern.

Frank Jansing, Direktor der Residenz, begrüßte als Gastgeber die Anwesenden und freute sich sehr, dass die Residenz zu so einem wichtigen Thema einen Beitrag leisten konnte.

Spannende Gastredner wie Dr. Wolfgang Clasen, Chefarzt der Palliativstation des Herz-Jesu-Krankenhauses Hiltrup, Autor Wolfgang Nientiedt sowie Ulrich Watermeyer von der Diakonie Münster kamen zu Wort. Moderator des Abends war Dr. Norbert Thiemann, ehemaliger Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten. Er begrüßte u.a. Peter Glan, den Vorsitzenden der Domfreunde Münster, dessen außerordentliches Engagement er schmunzelnd würdigte: „Wenn man Peter Glan über den Weg läuft, ist man kurz danach automatisch Domfreund“. Auch Dieter Sieger, der bekannte Designer, der die Skulptur für den Pflegepreis 2022 der „Starken Pflege Münster“ entworfen hat, wurde herzlich begrüßt. Indirekte Hautakteure des Abends aber waren die Pflegerinnen und Pfleger, die in der Altenhilfe tätig sind. Sie standen mit ihrer wertvollen Arbeit im Mittelpunkt.

Chefarzt Dr. Clasen dankte für die Spenden zu Gunsten seiner Station mit folgenden Worten: „Wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Dinge tun, können sie damit die Welt verändern.“ Ziel einer Palliativstation ist es, wie er es formulierte, „den Tagen mehr Leben zu geben“ damit die früher so oft getätigte Aussage „für Sie können wir nichts mehr tun“ ihre Gültigkeit verliert. Auch unheilbar Kranke haben das Recht auf Behandlung, die in einen normalen Krankenhausbetrieb so kaum möglich ist. Es braucht dafür einen anderen Rahmen, eine Station, die speziell auf die Bedürfnisse Sterbender ausgerichtet ist. „Wir haben einen Traum und der trägt uns. Dafür werden Gelder benötigt. Jeder Beitrag zählt, von klein bis groß. Nach zehn Jahren intensiver Vorarbeit und dank vielfältiger Spenden konnten wir 2007 die erste Palliativstation mit sechs Plätzen eröffnen.“

Den musikalischen Rahmen des Abends gestalteten Sofia Leberenz und Lukas Hinkensiefken, Jungstudenten von der Hochschule für Künste in Bremen. Die jungen Musiker wurden mit stehenden Ovationen gefeiert und Thiemann sagte: „Euer Talent, eure Kunst ist ein Geschenk für uns alle!“

Ebenso hat Norbert Nientiedt, freischaffender Seelsorger, Autor und Domfreund Auszüge aus seinem neuen Buch „Menschen pflegen ist meins“ gelesen.  Nientiedt will damit der Pflege „auf die Sprünge zu helfen“.

So führte er Gespräche mit Pflegenden, um das Besondere dieser Begegnungen in ein Buch zu gießen. „Über Pflege wird so viel dummes Zeug geredet“ ärgert er sich, „da wollte ich einen Gegenpol setzen und habe 50 Pflegenden mein Ohr geschenkt“. In seinem Buch beschreibt er sensibel und feinfühlig in unterhaltsamen, motivierenden und vor allen Dingen nachdenklich stimmenden Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven die vielfältigen Beweggründe für das Ergreifen dieses Berufes.

„Ich habe keine klassischen Interviews geführt, sondern einfach nur besonders gut zugehört“, sagt Nientiedt. „So wie zum Beispiel bei Mustaffer, einem jungen Mann aus Syrien, der mir begeistert von seiner Ausbildung zum Altenpfleger erzählt. Mit ihm habe ich mich im Marktcafé am Domplatz getroffen. Mustaffer, der als Flüchtling über ein europäisches Programm nach Nottuln kam, erklärt mir, dass er stundenlang zuhören kann, wenn traumatisierte Menschen erzählen. Sie erinnern ihn an seine persönlichen Erfahrungen in Syrien. Mustaffer berichtet weiter, dass er genau deshalb diesen Menschen besonders gut zur Seite stehen kann, denn sie haben das Gefühl, er kann ihnen helfen, weil er sie versteht.“

Nientiedt fasst die Erkenntnisse aus seinem Buchprojekt so zusammen: „Diese Menschen nehmen Stärke aus den persönlichen Beziehungen mit den zu Pflegenden, aus der Diversität, der Teamarbeit, aus der Freude heraus, einem Menschen wirklich helfen zu können. So schildert es auch ein anderer junger Mann, der aus der Mode zur Pflege kam, „von der Hülle zum Kern“, wie er sagt. Was macht einen Menschen wirklich aus? Genau das will er genauer wissen.“ Der junge Mann sagt: „Als Pfleger bin ich besonders als Mensch in meiner Ehrlichkeit gefordert. Und genau das macht mich zufrieden. Ehrlichkeit ist in der Pflege unverzichtbar. Heute mache ich mehr Umsatz als in der Modebranche, denn die Rendite ist deutlich höher – wenn auch in einer anderen Währung.“

Abschließend wandte sich Ulrich Watermeyer mit folgenden Worten ans Publikum: „Starke Pflege Münster ist zu einer Marke geworden. Sie zeigt das breite Spektrum des Berufsbildes der Altenpflege auf. Die Kampagne „Starke Pflege – Starke Typen“ hilft auf eine ganz besondere Weise dabei, die Lücke in der Personaldecke der Altenpflege zu schließen.“

Dieser Abend mit wertvollen Informationen, wunderbarer Musik und berührender Literatur wird hoffentlich lange nachklingen.
Ulrike Wünnemann

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