Wie die Tanne zum Weihnachtsbaum wurde

Eine kleine Geschichte dieses Brauchtums: Der Weihnachtsbaum
Da stehen sie nun die Weihnachtsbäume, klein oder groß und mächtig auf Plätzen, in Geschäften und auf Weihnachtsmärkten. So erstrahlen sie – meist schon ab Mitte November – im Lichterglanz, behangen mit Schmuck, Figuren und noch mehr allerlei Tand. in das Land hinaus. Kinderaugen leuchten und schauen bewundernd zu ihnen hoch; die Erwachsenen weniger. Ist schon wieder Weihnachten? Gilt das auch noch im Jahr 2022, der extrem verknappten und teuren Ressourcen Gas und Strom wegen der russischen Invasion in die Ukraine ?

Die Stadt Dortmund rühmt sich, den größten Weihnachtsbaum der Welt zu haben. Er ist 45 Meter hoch. Jeder weiß, dass es einen Lebendbaum in dieser Höhe nicht gibt. Dortmund arbeitet mit einem Trick: der Baum besteht aus 1.700 Rotfichten, die speziell für diesen Zweck von einem Forstbetrieb aus dem Rothaargebirge gezüchtet werden. Dieser Baum ruht auf einem 120 Tonnen schweren Ständer, ist mit rund 48.000 Lichtern bestückt und hat neben Kugeln, Lämpchen noch 20 2,50 Meter hohe Kerzen. Die Engelsfigur auf der Spitze ist 4 Meter hoch und wiegt allein 200 kg. Da ist Münster wesentlich bescheidener: im letzten Jahr ist es eine 40-Jahre alte Nordmann-Tanne aus dem Stadtteil Angelmodde mit einer stattlichen Höhe von 20 Metern. Sie steht am Eingang der Lambertikirche und leuchtet mit ihren Lichtern dezent ohne weiteren Schmuck zur Weihnachtszeit. Wie das in diesem Jahr wird ist noch nicht entschieden.

Die Tradition eines Weihnachtsbaumes im öffentlichen Raum hat ihren Ursprung im Zweiten Weltkrieg: Die Tanne, die jedes Jahr auf dem Trafalgar Square in London aufgestellt wird, kommt traditionsgemäß aus Norwegen. Sie soll an den gemeinsamen Kampf dieser beiden Länder gegen Nazi-Deutschland erinnern. Auch der Papst (seit 1982) und die Stadt Rom lassen sich zur Weihnachtszeit von dem Glanz eines riesengroßen  Weihnachtsbaumes auf dem Petersplatz verzaubern. Mittlerweile stellt jede Stadt auf der Welt einen dekorativen Weihnachtsbaum an markanter Stelle auf.

Als Weihnachtsbaum beliebt sind die Tanne, die Kiefer, die Fichte  und die Nordmann-Tanne. Sie gehören alle der Familie der Kiefern an. Am beliebtesten ist die Nordmann. Sie harzt und piekt nicht und hält am längsten die Nadeln.

Der Weihnachtsbaum als Symbol
Die Tradition eines Weihnachtsbaumes ist vermutlich heidnischen Ursprungs. Zur Zeit der Wintersonnenwende (21./22. Dezember) holte man sich so genannte Wintermaien ins Haus. Diese grünen Zweige waren ein Zeichen des Lebens, sollten Wintergeister vertreiben und versprachen Schutz und Fruchtbarkeit.

Im frühen Christentum versinnbildlichte der Tannenbaum ursprünglich den „Paradiesbaum“, der zur Versuchung wurde und  zur anschließenden Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies führte. Im Heiligenkalender ist hier der 24. Dezember eingetragen. Als der 24. Dezember immer mehr als „heiliger Abend“ vor dem Weihnachtsfest wahrgenommen wurde, verselbständigte sich der Paradiesbaum zum Christbaum. Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts begannen zuerst im Elsass, dann im Südwesten des Landes Tannenbäume Einzug in die Öffentlichkeit (z.B. Rathäuser, Kirchen) zu halten. Bei vornehmen und betuchten Familien wurde der Baum bei sich aufgestellt. Erst später, etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts, hielt der Tannenbaum Einzug in die Wohnungen einfacherer Bürger.

In ausländischer Wahrnehmung wurde der Weihnachtsbaum als typisch deutsch angesehen. Er fand wohl zuerst in lutherischen Familien, später erst in der katholischen Kirche Einzug. Die katholische Kirche befand die Weihnachtskrippe als größeren Symbolgehalt.

Am Vorweihnachtsabend 1815 stellte in Weimar Wilhelm Hoffmann für arme Kinder den weltweit ersten geschmückten Weihnachtsbaum  auf.Der Dichter E.T.A. Hoffmann hat in seinem Märchen  „Nussknacker und  Mausekönig“  dem Tannenbaum ein literarisches Denkmal gesetzt, in dem der lichterglänzende, mit goldenen Äpfeln und Bonbons geschmückte Baum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint.

Herrlich anzuschauen ist auch der stilvoll geschmückte Weihnachtsbaum in unserer Eingangshalle.
Günter Kassebeer

 

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